Wingsuit

Ein Wingsuit bzw. Flügelanzug ist ein spezieller Anzug für Fallschirmspringer und Basejumper, mit Flächen aus Stoff zwischen Armen und Beinen, die von Luft durchströmt als Flügel wirken. Damit kann der vertikale Fall teilweise in eine horizontale Flugbewegung umgewandelt werden. Wingsuits erreichen eine Gleitzahl bis zu 1:3 d. h. auf 1 m Sinkflug 3 m Horizontalflug (Wikipedia, Sept. 2014).

Mit Wingsuits werden auch Wettkämpfe in unterschiedlichen Disziplinen gesprungen. Es gibt 3 Kategorien von Wettkämpfen:


(c) by Birdman Inc.

Performance (Time, Distance und Speed)
Flocking (Formation)
Acrobatics

Artikel von Andi "Podl" Podlipnik

Betrachtete ich selbst vor wenigen Jahren das Hängegleiten, aufgrund der liegenden Position des Piloten, unzweifelhaft als die vogelähnlichste Variante des Fliegens, so sehe ich dies heute ein wenig anders. Vor wenigen Jahren kamen die ersten wingsuits auf den Markt, ein fledermausähnlicher Anzug, entwickelt um Fallschirmspringer vogelgleich durch die Luft zu tragen. Diese Variante des Fliegens (springen kann man dazu nicht mehr sagen) ist sicherlich die, die sich am Nähesten an den Vogelflug herangetastet hat.


History

Zweifellos war es die Natur, die erste Visionen in den Köpfen wagenmutiger Enthusiasten auslöste und aufzeigte dass es möglich für ist auch ohne Federn den Freifall in eine Gleitbewegung umzuwandeln. siehe z.B. das in Norwegen vorkommende Flughörnchen oder der australischen Sugar Glider.


Die Verwirklichung dieses Traumes war für den Menschen jedoch ein langer und steiniger Weg. Die ersten „Birdmen“ wie sie sich nannten versuchten schon um 1930 das bis dato Unmögliche zu realisieren. Die traurige Bilanz: von 1930 bis zu den frühen 60iger Jahren ließen 72 von insgesamt 75 Birdmen ihr Leben bei dem Versuch ihren Traum zu verwirklichen.


Heute

...sieht die Sache Gott sei Dank etwas anders aus. Zum einen haben sich die Fallschirmsysteme weiterentwickelt und sind um eine vielfaches sicherer geworden. Die Springer sind besser ausgebildet und vollbringen mittlerweile in der Luft Kunststücke welche früher schlichtweg undenkbar waren. Zum anderen sind die heutzutage erhältlichen Wingsuits abgestimmt auf die Sicherheitsrelevanten Aspekte des Fallschirmsports. Demnach verfügen sie zum Beispiel über ein Sicherheitssystem mit dem man die Flügel wegtrennen kann (Cutaway-System) um im Notfall die selben Gegenmaßnahmen wie ein „normaler“ Fallschirmspringer
ausführen zu können.

Dennoch, einen Wingsuit zu springen verlangt besondere Aufmerksamkeit, da man durch die Flügel sehr eingeschränkt in der Bewegung ist. Zudem kann es sein dass der Öffnungsautomat versagt, da die Sinkgeschwindigkeit im Freifall sehr gering ist. In zwei dokumentierten Fällen haben Springer „vergessen“ in die Legstraps einzusteigen (welche sich im Anzug befinden) und sind somit nur durch den Brusstgurt gesichert gewesen. Der Anzug allein hat zum Glück in beiden Fällen den Öffnungsschock ausgehalten und somit schlimmeres verhindert.


Basics

Durch die hohe Fluggeschwindigkeit ist das Fliegen mit einem Wingsuit relativ sensibel, kleine Bewegungen reichen aus um Richtungsänderungen durchzuführen. Grundsätzlich ist eine gestreckte Körperhaltung notwendig um optimal zu fliegen. Da jedoch jeder einen etwas unterschiedlichen Körperbau, Körpergröße und Gewicht hat muss jeder seinen eigenen Flugstil bzw. Körperhaltung herausfinden. Was bei dem einen funktioniert muss noch lange nicht bei dem anderen funktionieren. Die Kräfte die zum Halten der Wings sind erstaunlich gering. Der Exit und im Speziellen der Pull sollte schon vorher oft im Trockentraining geübt werden, da er symmetrisch ausgeführt werden sollte (beide Arme) und sich der Wing dabei leicht über den Hackey legen kann. Fa. Birdman zum Beispiel empfiehlt ein Minimum von 500 Sprüngen oder 200 Sprünge +Birdman-Instructor und das Einstiegsmodell mit wenig Flügelfläche.


Performance

Mittlerweile werden von den besten Wingsuit- Piloten Gleitwinkel von 1:2,5 erflogen, dies bedeutet nichts anderes, als dass bei einem Höhenverlust von 1m einen horizontale Distanz von 2,5 m zurücklegt wird. Vertikale Fallgeschwindigkeit von nur 70-90km/h lassen sich bei guter Körperhaltung realisieren, wobei eine horizontale Geschwindigkeit von über 160km/h erreicht werden kann. Aus 4000m Absprunghöhe werden zur Zeit „Flugzeiten“ von 2-3 Minuten erreicht.


Blick nach vorne

Die Gleitleistung wird noch weiter verbessert werden. Immer mehr Springer probieren einmal einen Wingsuit aus. Es gibt schon einige Dropzones an denen man sich schon Wingsuits ausleihen kann. Wie beim Freefly- oder Relativspringen fliegen schon viele in Gruppen wobei man sich angeblich sogar miteinander unterhalten kann (im Freifall) da die Luftgeräusche relativ niedrig sind. Barrel Rolls, Saltos und auch ein Rodeo ist kein Problem, wobei sich bei letzterem ein Springer einfach auf den Rücken eines Wingsuit-Springers setzt und schon geht’s gemeinsam durch die Luft...

Wenn man das Ganze noch weiter spinnt, scheint es nur mehr eine Frage der Zeit bis der erste Mensch einen Wingsuit landet.


Update: The first Wingsuit Landing happened in May 2012 in the UK, done by Gary Connery!


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